Team-Rekord in der Eiger-Nordwand (Heckmair-Route)

13. Februar 2011
In den vergangenen Tagen hatte ich ziemlich viel um die Ohren und konnte das tolle Hochdruckwetter nicht nutzen. Als ich dann Montag und Dienstag noch an der Sportmesse Ispo in München von Termin zu Termin hetzte, staute sich in mir eine Energie auf, die ich am Mittwoch ausleben musste. Ursprünglich war geplant, dass ich am Mittwoch auch noch an der Messe sein sollte. Als ich mein Anliegen meinem Sponsor Salewa erklärte, hatte er für mein Anliegen Verständnis, was nicht selbstverständlich ist und ich sehr schätze.
Ein Tag, an dem alles passte
Simon Gietl und ich trafen uns am späten Abend in Grindelwald und checken unser Material. Nach einer kurzen Nacht starteten wir am Mittwoch den 9. Februar um 9:00 Uhr am Wandfuss des Eigers. Wir kamen sehr gut voran, bereits nach 35 Minuten erreichten wir das Stollenloch. Die gute Spur ermöglichte uns ein sehr schnelles Steigen und wir realisierten schnell, dass es im Verhältnis zu unserer Durchsteigung durch die Eiger-Nordwand am 4. Januar dieses Jahres kein Vergleich war (siehe auch mein Blogeintrag «Kältetest am Eiger» vom 5. Januar 2011).
Die guten Verhältnisse in der Wand haben natürlich nicht nur wir realisiert. Bis zum Gipfel überholten wir sechs Seilschaften. Bei der Gelegenheit entschuldige ich mich bei ihnen für das etwas stürmische Überholen, was nicht immer ganz unproblematisch war. Wie in Trance kletterte ich mit einer herrlichen Leichtigkeit den brüchigen Riss hoch und realisierte ohne die Uhrzeit zu kontrollieren: Wow, so schnell war ich noch nie in der Eiger-Nordwand unterwegs. Im Götterquergang rief ich Simon zu: Go go go, wir sind super unterwegs, heute passts!
Der letzte Führungswechsel von Simon und mir gab es vor dem Quarzriss. Auf dem Cortibiwak zog ich die restlichen 25 Meter Seil hoch und rief zu Simon: «Seil Fix». Das Timing ging perfekt auf. Ich konnte ohne weitere Pause die Ausstiegrisse hochklettern. Simon erreichte das fixierte Seil beim Cortibiwak blitzschnell und rechtzeitig, um es schnell zu lösen. Dies ermöglichte uns ein simultanes Weiterklettern. Bereits Anfangs Gipfeleisfeld löste sich Simon vom hinteren Seilende und so konnten wir beide in unserem eigenen höchstmöglichen Tempo den Summit-Push starten. Auf dem Grat verkürzte ich die 50 Meter Seil um meine Schultern und gemeinsam eilten wir die restliche Meter zum Gipfel, welchen wir im 13:25 Uhr erreichten. Ausser Atem und völlig durchnässt gönnten wir uns die erste richtige Pause. Ein unvergesslicher Tag, an dem alles passte.
Mit 4 Stunden 25 glückte uns die schnellste Seilschaftsbegehung durch die 1800 Meter hohe Eiger-Nordwand. Den Solo-Rekord hält Ueli Steck mit 2 Stunden 47 Minuten.
